Wohnanlage am Elisabethgehölz

Hamburg ist Klinkerstadt. Aber nicht viele Backstein-Ensembles sind von solcher städtebaulicher Qualität wie die 2015 abgerissene Wohnanlage am Elisabethgehölz im Stadtteil Hamm. 1929 wurde das Ensemble errichtet – eines der wenigen erhaltenen Zeugnisse der herausragenden Architektur, die unter Hamburgs erstem Oberbaudirektor Fritz Schumacher in den zwanziger Jahren des 20. Jahrhunderts entstanden ist.

Bewohner, Architekten und Denkmalschützer haben lange versucht, den Abriss abzuwenden. Sie konnten gegen die Argumente der Eigentümerin, der Wohnungsgenossenschaft VHW, letztlich nichts ausrichten. Die Wohnungen seien nicht mehr zeitgemäß, der Zustand des Ensembles ohnehin kaum mehr original, da nach Zerstörungen aus dem zweiten Weltkrieg durch Neubauten überformt.

Ein mehrjähriger erbitterter Kampf der Bewohner fand 2015 sein Ende. Und ein weiteres Zeugnis der Hamburger Baukultur ist dem legendären Pragmatismus der Hansestadt zum Opfer gefallen.

Zitate aus einem Gutachten des Denkmalrats der Kulturbehörde Hamburg:

„Das Ensemble in Hamm-Geest „Am Elisabethgehölz“ zeichnet sich durch seine sehr qualitätvollen Fassaden aus und, das ist das Bemerkenswerte, durch die enorme Anstrengung der Wiederaufbauleistung nach dem Kriege. Die Gebäude waren ausgebrannt, die Fassaden jedoch erhalten.“

„Im städtebaulichen Zusammenhang ist die Wohnanlage nicht nur architektonisch, sondern auch in ihrer Form als klassische Blockrandbebauung konstituierender Bestandteil des Quartiers. Dies stellt nach neuerem denkmalpflegerisch-historischen Verständnis ein besonderes Merkmal dar, das von den sonst flächendeckend umgesetzten Prinzipien des Nachkriegswiederaufbaus abweicht.“

„Die Projektbeteiligten werden aufgefordert, ihren Beschluss zu revidieren. Eine Anlage vergleichbarer Gestaltungsqualität und historischer Bedeutung ist im ganzen Wohngebiet Hamm-Geest nicht mehr zu finden. Gleichzeitig wird dem Denkmalschutzamt seitens des Denkmalrates dringend geraten, die Anlage unverzüglich unter Schutz zu stellen, um den drohenden Abriss zu verhindern!“

Links zum Kampf um das Ensemble:

Initiative „Rettet Elisa“
Webseite „Elisa bleibt“
Artikelsammlung auf Hamburg-Mitendrin
Abendblatt 2015
Stellungnahme des Denkmalrats

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