Willkommen bei den Nexthamburg-Datastories. Wir nehmen Daten und aktuelle Phänomene zum Anlass für fundierte Spekulationen, die einen anderen Blick auf die mögliche Zukunft eröffnen.

Die neue Gründerzeit

Drei Szenarien des Stadtwachstums
 bis 2035

Das Wachstum Hamburgs von der kleinen Hafensiedlung bis zur Metropole mit fast zwei Millionen Einwohnern ist nicht kontinuierlich verlaufen. Immer wieder in der Geschichte der Stadt hat es starke Wachstumsschübe gegeben, insbesondere in den vergangenen 150 Jahren. Das abgebildete Diagramm zeigt das Bevölkerungswachstum seit 1800, wobei für die Phasen des Bevölkerungswachstums auch die gerundeten durchschnittlichen jährlichen Einwohnerzuwächse dargestellt sind.

Von 1800 an lassen sich unterschiedliche Wachstumsniveaus unterscheiden:

  • Leichtes Wachstum unter 5.000 Einwohnern pro Jahr zwischen 1812 und dem Beginn der Industrialisierung Hamburgs um 1865.
  • Mäßiges Wachstum zwischen 5.000 und 10.000 Einwohnern pro Jahr in der ersten Phase der Industrialisierung bis etwa 1890 und seit 2000.
  • Starkes Wachstum über 10.000 Einwohner pro Jahr während der späten Industrialisierung (1890 bis 1930, unterbrochen vom ersten Weltkrieg), sowie nach 1950 bis 1965.
  • Sehr starkes Wachstum von über 50.000 Einwohnern pro Jahr in kurzen Phasen um 1890 und 1950 herum.

Bemerkenswert ist, dass bei dieser relativ groben Betrachtung nicht etwa die Industrialisierungsphase die höchsten jährlichen Zuwächse brachte (etwa 15.000 Einwohner), sondern die Nachkriegszeit mit im Schnitt 27.000 Einwohnern pro Jahr. Selbst wenn man anerkennt, dass das Bevölkerungswachstum in den zwei Jahrzehnten nach dem zweiten Weltkrieg insgesamt eher eine „Erholung“ der Bevölkerungszahl darstellte und maßgeblich durch Heimkehrer und Aussiedler bewirkt wurde, so steht dahinter doch eine Wohnungsbau- und Integrationsleistung der Stadt, die in der Geschichte Hamburgs bisher unübertroffen ist.

Der Blick in die Geschichte zeigt: Hamburg hat immer wieder starkes Wachstum bewältigt.  Wenn man bedenkt, dass das ähnlich hohe Stadtwachstum von einst mit enormen „Wachstumsschmerzen“ einher ging (soziale Zustände in den frisch erbauten Gründerzeitquartieren sowie mangelnde bauliche und funktionale Qualitäten im Nachkriegs-Wohnungsbau), wird deutlich, vor welcher Herausforderung Hamburg in den nächsten Jahren steht. Die Stadt steht möglicherweise vor einer neuen Gründerzeit, muss diese aber mit den Mitteln und Ansprüchen heutiger Stadtentwicklung bewältigen.

An welche historische Wachstumserfahrung
knüpft das aktuelle Stadtwachstum an? Wie geht die Bevölkerungsentwicklung weiter? Im Diagramm werden drei Szenarien angeboten, die allesamt nicht auf der Grundlage statistischer Methoden entwickelt wurden, sondern durch Übertrag einer historischen Wachstumserfahrung Hamburgs auf die kommenden Jahre.
  • Szenario 1 (anhaltender Zustrom) geht von weiter starkem Zuzug aus. Voraussetzung für dieses Szenario ist, dass die geopolitischen und ökonomischen Krisenherde nicht befriedet werden und die Wanderungsströme nach Europa anhalten – und Hamburg bzw. Deutschland sich nicht gegen den Zustrom abschotten. In Szenario 1 wird bis 2025 im Mittel ein Zuzug von jährlich 25.000 Einwohnern angenommen, was angesichts der aktuellen Spitzenwerte eher konservativ geschätzt ist. Es wird allerdings davon ausgegangen, dass eine Einigung auf einen inneneuropäischen Verteilungsmodus den Zuwanderungsdruck in Deutschland etwas mindert. Nach 2025 flacht sich in diesem Szenario das Wachstum auf etwa 15.000 Einwohner pro Jahr ab, bleibt aber anhaltend hoch. 2025 würde Hamburg nach dieser Rechnung die zwei-Millionen-Marke erreichen, 2035 hätte Hamburg etwa 2,15 Millionen Einwohner.
  • Szenario 2 (mittleres Wachstum) geht von einem Rückgang des Flüchtlingszustroms nach 2017 aus und von einer Rückkehr zum Bevölkerungswachstum der vergangenen Jahre. Dieses Szenario tritt ein, wenn Europa den Zustrom der Flüchtlinge eindämmt oder sich die globalen Krisenherde beruhigen. Angenommen wird ein durchschnittliches Wachstum von 10.000 Einwohnern pro Jahr bis 2025 und ein Abflachen des Wachstums unter das durchschnittliche Wachstumsniveau nach dem Jahr 2000 (5.000 Einwohner). Dabei wird von einer anhaltenden wirtschaftlichen Anziehungskraft Hamburgs ausgegangen. Hamburg hätte in diesem Szenario 2025 knapp 1,9 Millionen Einwohner und 2035 etwa 1,95 Millionen Einwohner.
  • Szenario 3 (geringes Wachstum) geht von einer überraschend schnellen Erholung der politischen und ökonomischen Konfliktherde aus – bzw. alternativ von einer radikalen Eindämmung des Zuzugs. In diesem Szenario geht das aktuell starke Bevölkerungswachstum in den nächsten Jahren auf Werte deutlich unter 10.000 Einwohner zurück und pendelt sich im Schnitt bei dem Wert der vergangenen 15 Jahre ein. Hamburg wächst so bis 2025 auf 1,85 Millionen Einwohner. Nach 2025 schlägt der demografische Wandel stärker durch, der in den anderen Szenarien durch Einwanderung überlagert wird. Die Stadt wächst in den zehn Jahren bis 2035 nur um etwa 3.000 Einwohner pro Jahr, was eine Bevölkerung von etwa 1,88 Millionen Einwohnern im Jahr 2035 zur Folge hat.

Extremere Wachstumsszenarien wurden nicht berücksichtigt. Es wurde angenommen, dass noch extremeres Wachstum nur aufgrund katastrophaler Zuspitzung internationaler Krisen stattfinden würde, und dass in diesem Fall nicht mehr von einem Modus gesteuerter Stadtentwicklung ausgegangen werden kann. Die skizzierten Szenarien bewegen sich demnach in einem Korridor der nicht-katastrophalen Entwicklung, der gesteuertes planerisches Handeln weiter ermöglicht. Zudem wurde auf die Integration eines Schrumpfungsszenarios verzichtet, da dies für Hamburg in den nächsten zwanzig Jahren als extrem unwahrscheinlich eingeschätzt wird. Auch für das plötzliche Abbrechen des demografischen Wachstumspfades wären als Voraussetzungen eher katastrophale oder extrem disruptive Entwicklungen anzunehmen, die in dieser Betrachtung ausgeklammert bleiben müssen.

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