Ideen-Schutzraum gesucht

Jede Idee braucht ihre Zeit. Muss Reifen, vielleicht sogar verworfen und neu gedacht werden, um umsetzbar zu werden. Manchmal muss auch erst die Zeit reif sein, bis die Möglichkeiten einer Idee verstanden werden. Echte Innovation braucht einen Schutzraum, in dem das Neue spielerisch erprobt wird.

Nehmen wir die Erfindungen eines der wichtigsten Labore der vergangenen 100 Jahre: des Palo Alto Research Center (PARC). Xerox, Weltmarktführer für Kopierer und Drucker, errichtete dieses eigenständige Forschungszentrum Ende der Sechziger Jahre weitab seines Firmensitzes. Dort sollte ohne Rücksichtnahme auf die etablierten Geschäftsprozesse das papierlose Büro der Zukunft entwickelt werden – mit dem Ziel, dass Xerox seine Stellung auch im aufziehenden Computerzeitalter halten könnte.

Eingang des PARC, Quelle: wikipedia.de
Ein nüchterner, aber produktiver Schutzraum für Ideen: das PARC

Im PARC durfte abseits aller eingefahrenen Denkmuster des Konzerns und ohne Druck auf schnelle Verwertbarkeit geforscht werden – Grundlagenforschung im besten Sinne.
Heraus kam ein Großteil der Innovationen, die heute ganz selbstverständlich unseren computerisierten Alltag prägen: Neben dem Laserdrucker wurden hier unter anderem das Prinzip des Bitmap-Bildes erfunden, die grafische Benutzeroberfläche für Computer mit Fenstern und Icons, die Textverarbeitung, das Ethernet zur Vernetzung von Computern und die Programmiersprache Smalltalk, die Vorbild für viele weitere Programmiersprachen wurde. Mit dem „Alto“ wurde im PARC zudem der erste PC der Welt gebaut.

Xerox hat die Potenziale seiner Forschungen selbst nicht erkannt. Dafür haben andere von den Erfindungen des PARC profitiert: Apple und Microsoft haben sich hier inspirieren lassen und erst der Softwareriese Adobe schaffte es, die PARC-Idee des Post-Script zu vermarkten – ein echtes „Spin-Off“ des PARC. Das freie Forschen von Xerox hat nicht unmittelbar gewirkt, sondern über Umwege – dieses Prinzip des Umwegnutzens liegt auch Nexthamburg zu Grunde.

Ideen brauchen Schutzräume, in denen sie ohne „Schere im Kopf“ durchdacht werden und eine Zeit lang reifen können, um dann vielleicht von jemand Anderem entscheidend auf den Punkt gebracht zu werden.

Das gilt auch für die Stadtentwicklung. Manches Projekt erscheint auf den ersten Blick nicht umsetzbar, mancher Bürgerwunsch allzu idealistisch. Meist werden solche Erst-Ideen aber viel zu schnell abgewürgt: „Geht nicht“. Dabei werden die scheinbar unverrückbaren Hindernisse oft nicht wirklich hinterfragt. Zum Beispiel das Bauen im Hafen: Ist das Hafenentwicklungsgesetz, das viele Hamburger Wasserlagen unbebaubar macht, wirklich alternativlos? Oder: Wäre der Nutzen nicht vielleicht doch höher, wenn die Innenstadt autofrei wäre? Solche Fragen sind politisch so brisant, dass sie kaum einen Mentor finden, der sie ergebnisoffen durchspielen lässt.

Nexthamburg schafft einen Schutzraum für scheinbar unmögliche Ideen, in dem diese ohne Aufgeregtheit und Einflussnahme von Interessen durchdacht werden können.

Das Ergebnis kann durchaus sein, dass eine Idee verworfen werden muss. Aber jede Idee bekommt ihre Chance. Und in vielen Fällen gibt es sehr wohl einen Weg, das scheinbar Unmögliche zu realisieren.

Beteiligung braucht Wissen

Bürgerbegehren, Stadtdialoge, Beteiligungsprozesse: Immer mehr Projekte der Stadtentwicklung werden öffentlich diskutiert, zu immer mehr Projekten muss man sich als Bürger eine Meinung bilden. Fundiertes Wissen über Stadtentwicklung und ihre Prozesse wird daher immer wichtiger.

Ohne Wissen keine fundierte Meinungsbildung und kein fundiertes Handeln. Gerade in der Stadtentwicklung sind die Dinge nur selten so einfach zu lösen, wie es scheint. Bei jedem Projekt geht es darum, eine Entscheidung zu treffen: für oder gegen dieses oder jenes Interesse, damit auch für oder gegen diese oder jene Menschen.

Um selber in der Lage zu sein, fundiert zu entscheiden, braucht man neben der Intuition des Alltags-Stadtbenutzers gutes Wissen über die Möglichkeiten und Folgen von Stadtentwicklung. Was bedeutet es tatsächlich, wenn die Stadtbahn kommt? Wem nützt es und wem schadet es wie sehr? Und welche Erfahrungen wurden anderswo gemacht, die in Hamburg helfen können, den Schaden zu minimieren – und die vielleicht noch nicht bedacht wurden?

Nexthamburg ist die Wissensplattform für die Stadtentwicklung in Hamburg, die Alltagserfahrungen und Wissen wie Erfahrungen aus aller Welt zusammenführt. Zu aktuellen und brennenden Themen von morgen werden Positionen, Argumente, Möglichkeiten und Inspirationen dargestellt – Wissen, das auch helfen soll, schnelle Ideen gezielt weiter zu entwickeln.

Hamburg braucht einen Frühwarnmelder

Jeder Turnschuh-Hersteller legt zunächst sehr genau sein Ohr an seine Kunden, bevor er seinen Turnschuh entwickelt. Politik und Planung tun dies nur ungenügend, allen Beteiligungsangeboten zum Trotz. Warum eigentlich?

Nun ist die Stadt kein Turnschuh, die Interessenlagen sind komplex und Planung muss mitunter auch unpopulär sein – also genau das Gegenteil von dem tun, was eine Mehrheit vielleicht wünscht. Aber es ist schon erstaunlich, wie auch gut gemeinte Projekte immer wieder auf Widerstand stoßen. Ein wenig mehr Ohr am Kunden würde hier helfen, Projekte von vorneherein so aufzusetzen, dass sie den Wünschen der Bürgern möglichst maximal entsprechen.

Stein des Anstoßes: Frappant in Altona
Hätte man hier das Ohr an die Nutzer gelegt, hätte man sich vielleicht einigen Ärger ersparen können: Frappant in Altona, geplanter Standort eines City-IKEA-Kaufhauses und Stein des Anstoßes.

Warum nur werden Projekte immer erst zur Diskussion gestellt, wenn die Dinge längst eingetütet sind? Warum werden bei wichtigen Weichenstellungen nicht gleich zu Beginn eines Prozesses die Menschen befragt – bevor sich später populistische Kampagnen für oder gegen Projekte bilden? Die können nämlich nur selten heilen, was durch die mangelnde Ausrichtung von grundlegenden Planungen an Bürgerwünschen versäumt wurde.

Nexthamburg schafft einen neuen Draht zwischen Bürgern und Politik, zwischen Aktivisten vor Ort und Planern. Jede Idee, jeder Kommentar ist auch Teil eines großen Meinungsbildes, das sich mit Nexthamburg Stück für Stück aufbaut.

Je mehr Menschen Nexthamburg aktiv nutzen, um so kompletter wird das Meinungsbild. Und um so eher werden Wünsche und Meinungen von Bürgern gehört. Hilf mit, dass Nexthamburg zur Stimme der Bürger wird und lade Deine Freunde ein, aktiv bei Nexthamburg mitzumachen – als Autor, Kommentator, Ideenpate oder Förderer.

Erfahre hier mehr, wie du Nexthamburg stärker machen kannst.

Diskussionen brauchen einen neutralen Boden

Stadtentwicklung lässt sich immer kontrovers diskutieren. In Hamburg fehlt jedoch ein unabhängiger und frei zugänglicher Raum für öffentliche Kontroversen. Nexthamburg schafft einen neutralen Boden, von dem aus Positionen ohne Einschränkungen diskutiert werden können.

In der frühen Neuzeit genossen sie hohes Ansehen: die Hofnarren, körperlich und mitunter auch geistig oft „absonderlich“ erscheinend, aber in Wahrheit mit meist scharfem Urteilsvermögen und großer Schlagfertigkeit ausgestattet. Geschützt durch ihr Narrengewand, waren sie oft die Einzigen in der Entourage der Herrschenden, die sich kritisch, oft in beißenden Spott verpackt, äußern durften. Ihre offizielle Rolle als Narren machte es möglich. Und so mancher Herrscher legte großen Wert auf den „Rat“ des Narren, musste er doch bei anderen Beratern befürchten, dass die ob allzu großer Furcht vor Sanktionen kaum offen den Finger in die Wunde legen würden.

Der Hofnarr Sebastián de Morra Ölgemälde von Velázquez 1636, Quelle: wikipedia.de
Schlauer, armer Tropf: der Hofnarr Sebastián de Morra, 1636 von Velázquez gemalt
Quelle: wikipedia.de


Sicher, die Zeit der absoluten Herrscher ist längst vorbei. Kritik ist möglich, erwünscht, in Form der Medien als „vierte Gewalt“ gar zum Grundbaustein unserer Demokratie geworden. Sollte man meinen. Bei näherem Hinsehen leben die Feudalstrukturen aber munter weiter – selbstverständlich längst nicht mehr so offensichtlich.

Gerade im Feld der Stadtentwicklung sind die Interessen so vielfältig und durch die lokale Nähe zugleich derart miteinander verwoben, dass Kritik immer auch einen Nachbarn treffen kann. Jemanden, den man morgen vielleicht brauchen könnte.

Wer traut sich angesicht dessen, den Hofnarren der Hamburger Stadtentwicklung zu geben? Die Stimme, die Unerhörtes laut und deutlich ausspricht – egal, ob es sich um die Kritik an den herrschenden Verhältnissen oder an der Gegenmacht handelt? Denn zu kommentieren gibt es in beiden Sphären genug. Gebraucht wird eine Plattform, die solche Stimmen schützt – Nexthamburg bietet sie.

Nexthamburg bietet einen neutralen Boden, auf dem Konflikte ausgetragen werden können. Eine Plattform, auf der auch unliebsame oder kontroverse Positionen offen diskutiert werden können. Auf dass sich jeder seine Meinung bilden kann.

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